Essen im Rampenlicht

Kategorie: Hinter den Kulissen, Lecker, ZS Verlag

Im Fotostudio Eising in München konnten unsere Volontärin Linh und unsere Praktikantin Janin hinter die Kulissen der hohen Kunst der Food-Fotografie blicken. Beim Fotoshooting für ein neues Kochbuch haben Janin und Linh ganz genau hingeschaut:

Als wir eintrafen, hatte gerade ein Bratapfel seinen großen Auftritt. Mit viel Liebe zum Detail wurde ihm ein Topping mit schaumiger Vanillesoße, genau an den passenden Stellen, aufgesetzt. Der Apfel posiert, während die Blitzlichter durch den Raum zucken und schließlich präsentiert ein Computerbildschirm das „schmackhafte“ Ergebnis. Zum Anbeißen sieht es aus und man wünschte, die Kamera könnte auch den Duft im Raum einfangen.

Doch wie genau entstehen diese „leckeren“ Bilder? – Immer unterschiedlich! Manchmal im Tageslichtstudio, manchmal draußen im Kräutergarten, manchmal direkt in der riesigen, angrenzenden Küche, die schon selbst mehrere Fotos wert ist und heute mal mit Beleuchtung und in sehr minimalistischem Raum. Dabei wird Hand in Hand gearbeitet. Eine Köchin zaubert die leckeren Gerichte, während die Fotografin sich um den Bildaufbau kümmert. In welchem Geschirr soll das Gericht präsentiert werden? Welche Serviette passt am besten? Der Untergrund in Holz, Fliesen oder etwas ganz anderes? Ein Pfannenwender dazu … oder doch nicht – das Bild ist sonst zu voll.


Wo kommen die ganzen Requisiten denn überhaupt her?
– Aus jahrelangem Ansammeln, aus Privatbeständen, aus Käufen für Projekte oder aber geliehen. Manchmal findet man einfach nicht das, was man braucht! Auch nicht, wenn man Unmengen an Regalen mit für uns jeglichen vorstellbaren Küchenutensilien füllt. Hier mal stöbern… Ein Traum! Ganz vorsichtig sehen wir uns im Lager um und entdecken alles von Auflaufform bis Zuckerdose. Manchmal jedoch braucht man etwas Außergewöhnliches, z. B. wenn es um exotische Regionen geht oder ein Kochbuch ein spezielles Themengebiet hat. Bei solchen Projekten sind dann die Food-Stylisten bzw. Dekorateure besonders gefordert, da sie Untergründe und Dekorationen selbst kreieren und bauen.

Ab wie vielen Bildern bedeutet die Produktion Stress? – Bei der lockeren Atmosphäre und dem Spaß, den alle an der Arbeit zu haben scheinen, ist es gar nicht so einfach diese Frage zu beantworten. Es kommt vor, dass die Arbeit an einem einzelnen Foto stressig wird, weil es nie so aussieht, wie man es sich wünscht. Aber auch die Variabilität in den Bildern erfordert zum Teil viel Arbeit. Immerhin möchte der Kunde am Ende nicht immer denselben Teller oder Untergrund sehen.

 


Und worauf muss man besonders achten?
– Auf alles! Vor allem, weil die Arbeit am Foto schon beim Einkauf beginnt. Welcher Apfel ist besonders schön gefärbt und geformt, sodass er später auch nach dem Kochen auf dem Bild noch erstrahlt? Sind alle Zutaten im Korb, die das Rezept enthält? Sind sie auf dem Foto auch deutlich zu erkennen? Und vor allem: Könnte es nicht immer noch besser sein? Die Detailverliebtheit und Genauigkeit fällt uns besonders auf. Schon beim Kochen verläuft alles akkurat.


Der zweite Star des Tages wird eine Portion Bratkartoffeln. Für die Bratkartoffeln werden gleichmäßig geschnittene Kartoffelscheiben einzeln in einer Pfanne gebraten und per Hand gewendet, bis sie genau die richtige Bräune erhalten. Anschließend werden die Kartoffeln sorgfältig in das gewählte Requisit platziert. In der Pfanne werden Zwiebeln und Petersilie angebraten. Die Zwiebeln, Petersilie und Gewürze runden die Komposition ab. Lücken oder unschöne Stellen werden nach Belieben ausgebessert und bearbeitet.

Jedes neue Foto ist noch besser als das vorige. Kleinste Details werden bewegt, neu angeordnet und dekoriert, bis man eine wunderschöne Auswahl an appetitanregenden Bildern hat.

 

 

Was uns besonders beeindruckt hat? – Die enorm akkurate Arbeit vieler verschiedener Personen, die Hand in Hand arbeiten. Die Produktion von Food-Bildern ist ein kreativer Prozess, der ein ästhetisches Ergebnis hat. Den Weg zu diesem Ergebnis zu verfolgen war sehr interessant. Vielen Dank noch einmal an das Fotostudio Eising, dass wir diesen Einblick erhalten durften und all unsere Fragen loswerden konnten. Wir freuen uns schon auf die nächsten Bilder und auf das neue Buch, in denen Bratapfel und Bratkartoffeln eine Heimat finden – seid gespannt!

 

 

 

 

 

 

 

Dies könnte Ihnen auch gefallen