Achtung unartig!

Kategorie: Persönlich, ZS Verlag

Interview mit Tanja Mairhofer

„Je weniger ich versuche, anderen zu gefallen, desto besser gefalle ich mir selbst!“, sagt Tanja Mairhofer, Autorin von „Schluss mit Muss„. Und lässt einfach mal locker: backt keine Motivtorten zum Kindergeburtstag, sondern einen Marmorkuchen, wischt keinen Kalk von ihren Fliesen und erwartet beim Yoga keine Erleuchtung. Und sonst so? Wir haben sie zum Interview getroffen:

Habe ich Sie beim Bügeln gestört?

Aber nein! Das mache ich nicht so oft. Ehrlich gesagt vermeide ich sogar Kleidung, die man bügeln muss.
Ich komme gerade vom Pony-Reiten mit meiner Tochter. Das heißt, ich führe das Pony, und meine Tochter sitzt drauf.
Eine herrliche Methode für mich, um runterzukommen.

Von zu viel „Ich muss“? Da kann ich Ihnen ein gutes Buch empfehlen..

Ah! Einen Ratgeber womöglich? Ich habe sie alle gelesen. Und überall steckt die gleiche Botschaft drin.
Das ist ein Spiel mit falschen Hoffnungen! Man sollte all diese Lifestyle-Gurus und Super-Yogis mal genauer unter die Lupe nehmen.

Und einen Antiratgeber schreiben?

Das liegt auf der Hand in der heutigen Zeit. Die Leute haben genug von all dem Topmodel- und Jugendwahn,
von „Tu dies, tu das, sei stets erreichbar, iss gesund, hab einen perfekten Body, sei immer faltenfrei, adrett frisiert und glatt rasiert.“
Ich plädiere für mehr Lockerheit. Man sollte sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien. Besonders als Frau.

Die Alice-Schwarzer-, Latzhosen-, Achselhaare-Nummer?

Leider hat der sogenannte Feminismus immer noch so einen Negativ-Stempel und wir haben gar nicht gemerkt, dass wir uns sogar
wieder zurückentwickeln. Schneller, höher, weiter! Nix mit: Ich bin gut, wie ich bin. Extrem-Beispiel Hollywood:
Nur 12 % aller Rollen werden an Frauen vergeben und je älter Frauen sind, desto weniger Text bekommen sie! Unfassbar, finde ich.

Kennen Sie so etwas aus eigener Erfahrung?

In meiner Branche ist man gnadenlos. Und das nervt mich. Es reicht mir einfach, wenn mir die Regisseurin ins Ohr flüstert:
„Bauch einziehen. Das sieht schöner aus.“ Ich habe das satt und bin an dem Punkt, mir das nicht mehr anhören zu wollen.

Daher Ihr Buch? Eine Art Mutmacher für andere?

Ich möchte die gute Freundin sein und die Leser zum Schmunzeln bringen. Und ihnen erzählen: Hey, ich (Tanja) kann wunderbar
vier Stunden mit Netflix verbringen und meinen Mann putzen lassen (der macht das übrigens geradezu fanatisch gern).
Lass auch du mal fünfe gerade sein! Sei nicht so perfektionistisch!

Welche Themenbereiche greifen Sie dabei auf?

Alle, die mich beschäftigen: Hausarbeit, Sex, Karriere, Body-Image, Scheitern, Neid, Herkunft, Erfolg, das Thema Alter.
Es schockiert mich z.B., wie schwierig es ist, in dieser Gesellschaft zu altern. Und wie häufig es heißt: Männer werden zunehmend
interessanter. Vielleicht Sean Connery und George Clooney. Aber Otto Normalverbraucher aus der Nachbarschaft?
Oder warum muss eine Frau unglücklich sein, wenn sie keine Kinder hat? Mit vier Katzen leben ist doch auch toll!

Findet man auch konkrete Empfehlungen in Ihrem Buch?

Jede Menge: z.B. Postkarten zum Heraustrennen mit Sprüchen à la „Und was machst du so? Ich mache gerade
ein freiwilliges asoziales Jahr.“ Auch plädiere ich für mehr Mut im Schlecht-im-Bett-sein, sich bei der Partnersuche nicht zu verbiegen und
Perfektionismus den Herzchirurgen, Architekten und Piloten zu überlassen.

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