Yoga schmeckt!

Kategorie: Fit, ZS Verlag

Für Marlo Scheder-Bieschin gehören Yoga und Essen untrennbar zusammen. Die Autorin und Fotografin lebt nach den yogischen Grundsätzen: Achtsamkeit, Hingabe, Disziplin und eine gute Portion Selbstliebe. In ihrem Buch „My Yoga Canteen“ finden sich herrlich simple Rezepte für morgens, mittags, abends und unterwegs, die sich an der yogischen Ernährung orientieren. Doch was bedeutet „yogische Ernährung“?

Grundregeln yogischer Ernährung

Yogische Ernährung ist in erster Linie eine Haltung. die Regeln ergeben sich von selbst aus dem Wort „Yoga“, das so viel bedeutet wie „verbinden, vereinigen“. Verbunden sein mit allem heißt, ein Teil des Universums zu sein. daraus ergibt sich der erste Grundsatz: Achtsamkeit und Respekt gegenüber allem in der physischen, psychischen und geistigen Welt.

Im Yogischen unterscheidet man Nahrungsmittel hinsichtlich ihrer Qualität und Eigenschaften. Man geht davon aus, dass die Auswahl der Lebensmittel den Grad der geistigen Reinheit widerspiegelt und dass sich die Vorlieben im Laufe der Zeit verändern.
Eine mögliche Unterteilung ist die in Sonnen-, Boden- und Erdnahrungsmittel: Sonnennahrungsmittel wachsen ab 95 Zentimenter über der Erde. Sie erhalten während ihres Wachstums viel Sonnen- und wenig Erdenergie. Dementsprechend versorgen sie uns vorwiegend mit ätherischer Energie. Zusammen mit etwas Milch ist diese die Nahrung der Yogis und eine ideale Nahrung bei Meditation. Auch ältere Menschen oder solche mit schwerem Knochenbau sollten viele Sonnenfrüchte zu sich nehmen.  Bodenfrüchte wie Beerenfrüchte, Getreide, Reis und Kohl wachsen von der Erdoberfläche bis zu 90 Zentimeter über der Erde. Sie sind sehr nahrhaft und haben einen reinigenden Charakter.
Erdnahrungsmittel wachsen unter der Erde. Zwiebeln, Knoblauch, Bete und Kartoffeln nehmen viel Erdenergie auf und haben eine äußerst heilende Wirkung. Wenn das Leben gerade sehr fordernd und bewegt ist, können uns diese Lebensmittel gut „erden“.
Eine andere Möglichkeit ist es, die Nahrung in den drei Energiequalitäten (Gunas) zu unterscheiden: Sattva (Reinheit, Harmonie, Gleichgewicht), Tamas (Passivität, Trägheit, Zersetzung) und Rajas (Bewegung, Aktivität).

Yogische Ernährung heißt, Sattva-Reinheit zu bevorzugen, sich von den rajasigen Lebensmitteln im Laufe der Zeit mehr und mehr loszusagen und tamasische ganz zu meiden.

Achtsamkeit bei der Zubereitung und bei der Präsentation

Wenn etwas mit Liebe gemacht ist, schmecken wir das auch. Das Geheimnis von Mamas bestem, duftendem Geburtstagskuchen ist die Liebe, mit der er gebacken wurde. Spätestens seit dem Film „What the Bleep do we (k)now!?“ ist der quantenphysikalische Nachweis erbracht, dass alles Energie ist, die sich gegenseitig beeinflusst. Dies ist im übrigen ein Aspekt, warum Fertiggerichte schwerlich nachhaltig und umfassend sättigen.

Ein schön gedeckter Platz oder Tisch, eine Mahlzeit im Kreise der Familie oder fröhlich ausgelassener Freunde oder der Lieblingstisch beim Stammitaliener sind beinahe ein Garant für ein achtsames Mahl. Man isst die positive Energie beim Essen mit. Gerade wenn man für sich allein isst, neigt man jedoch  gerne dazu, sich nur mal schnell bei offener Kühlschranktür ein Stück Käse und eine eiskalte Kartoffel von vorgestern in den Mund zu schieben. Wenn es gut läuft, wird noch eine Scheibe Brot auf dem Küchentisch geschmiert. Mit dieser in der einen Hand und einem Getränk in der anderen eilt man dann zum Computer, zum Sport oder vor den Fernseher – und alles „verdunstet“ irgendwie auf dem Weg. Wie viel besser ist es, die Kartoffel warm zu machen, vielleicht noch ein Stück Butter dazuzugeben und ein paar frisch gehackte Kräuter, Brot und Käse auf einen Teller zu legen, das Getränk in ein Glas zu füllen und sich zehn Minuten Zeit zum Essen zu nehmen. Der innere Yogi verbeugt sich.
Rein physikalisch regt der appetitliche Anblick die Magensäfte an. Die Nahrung trifft so auf eine größere Menge Speichel und Verdauungssäfte, anstatt unser Innenleben komplett unvorbereitet zu überfallen. Selbst der Snack aus der Lunchbox vor dem Computer kann ein Fest an Achtsamkeit und Würde sein, gibt man ihm auf den notwendigen 30 mal 30 Zentimetern seinen Raum, schaltet den PC eine Weile ab, legt vielleicht ein kleines Tuch unter die Box, wäscht sich vor dem Essen die Hände und bedankt sich für die Mahlzeit.

Bereichere deine Mahlzeit

Das gute alte Tischgebet gibt es in allen Kulturen und ihm liegt immer dieselbe Idee zugrunde: „Mit Liebe gemacht.“ Wir bedanken uns beim Universum und schenken unserer Mahlzeit einen freudigen, dankbaren Schwall an Emotion – positive Energie! So ist sie reicher und schmeckt besser. Auch als vollkommen unreligiöser Mensch muss man zugeben: Wir sind aus Materie und wir verwenden Materie zu unserem Erhalt. Dafür könnte man dankbar sein.

Zusammengefasst heißt yogische Ernährung: Gehe achtsam und respektvoll mit dir und dem dich umgebenden Universum um. Es gibt keine Verbote und keine Zwänge. Es gilt das Gesetz von Ursache und Wirkung.

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